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Geschichte des Mittelmeers

Geschichte des Mittelmeers

Geschichte des Mittelmeers
Die Geschichte des Mittelmeerraums reicht von Neandertalern und den ersten Bauern über die Antike, Byzanz, Kreuzzüge und Seerepubliken bis zu Osmanen, Kolonialzeit und den Staaten von heute. Weil drei Kontinente am selben Meer liegen, überlagern sich die Epochen an vielen Orten – sichtbar in Tempeln, Burgen, Moscheen und Altstädten.

Kaum eine Region der Welt hat so viele Reiche kommen und gehen sehen wie die Küsten zwischen Gibraltar und der Levante. Das Meer verband mehr, als es trennte: Über die Wasserwege wanderten Waren, Ideen, Religionen und Heere. Diese Übersicht ordnet die großen Epochen ein, nennt die Wendepunkte mit Jahreszahl und zeigt, wo man jede Epoche heute noch mit eigenen Augen sehen kann. Die griechisch-römische Zeit wird hier nur angerissen – sie hat eine eigene, ausführliche Seite zur Antike und den UNESCO-Welterbestätten am Mittelmeer.

Schnellfakten Geschichte des Mittelmeerraums
Zeitraumvon der Altsteinzeit bis zur Gegenwart
KontinenteEuropa, Asien und Afrika – heute gut 20 Anrainerstaaten
Prägende MächtePhönizier, Griechen, Römer, Byzanz, Araber, Venedig, Genua, Aragón, Osmanen, Spanien, Frankreich, Großbritannien
Wendepunkte476 Ende Westroms, 1453 Fall Konstantinopels, 1492 Ende der Reconquista, 1869 Suezkanal
Beste Zeit für KulturreisenApril bis Juni und September bis Oktober
Besonders dichte GeschichtsorteRom, Istanbul, Athen, Malta, Sizilien, Rhodos, Dubrovnik

Wie begann die Geschichte am Mittelmeer?

Lange vor den ersten Städten lebten Neandertaler an den Küsten Südeuropas und der Levante. Vor rund 40.000 Jahren erreichte der moderne Mensch (Homo sapiens) Europa, die Neandertaler verschwanden in den folgenden Jahrtausenden. In der letzten Eiszeit lag der Meeresspiegel deutlich tiefer als heute, viele damalige Küstenhöhlen liegen deshalb inzwischen unter Wasser.

Mit der Jungsteinzeit begann der Übergang zu Ackerbau und Viehzucht. Er kam aus dem Fruchtbaren Halbmond und breitete sich über das Meer aus: Zypern wurde schon im 9. Jahrtausend v. Chr. von Bauern besiedelt, in Griechenland gab es vor 7000 v. Chr. erste Dörfer, im Westen setzte die Entwicklung deutlich später ein. Auf Malta und Gozo entstanden ab dem 4. Jahrtausend v. Chr. die Megalithtempel – sie sind älter als die Pyramiden von Gizeh und seit 1980 UNESCO-Welterbe.

Um 3000 v. Chr. formierten sich am Nil der ägyptische Staat und auf Kreta die minoische Kultur, die erste Hochkultur auf europäischem Boden. Ihre Paläste wie Knossos, Phaistos und Malia gehören seit 2025 als „Minoische Palastzentren“ zum Welterbe; mehr zur Insel auf der Seite über Kreta. Im 15. Jahrhundert v. Chr. endete die minoische Blüte, auf dem griechischen Festland übernahmen die Mykener, in Kleinasien lag Troja.

Was prägte die Antike?

Die Antike machte das Mittelmeer zum gemeinsamen Kulturraum. Ab etwa 1000 v. Chr. gründeten die Phönizier aus der Levante Handelsstützpunkte bis nach Spanien, darunter Karthago. Ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. folgten griechische Kolonien von Marseille bis ans Schwarze Meer. Athen erlebte im 5. Jahrhundert v. Chr. seine klassische Zeit, nach Alexander dem Großen († 323 v. Chr.) verbreitete sich die griechische Kultur bis nach Ägypten. Rom besiegte Karthago in den Punischen Kriegen (Zerstörung 146 v. Chr.) und beherrschte schließlich alle Küsten – das Meer hieß nun „Mare Nostrum“. Tempel, Theater und Ausgrabungsstätten dieser Zeit stellt die Seite Antike & UNESCO-Welterbe ausführlich vor.

Was folgte auf das Ende Westroms?

Auf das Ende Westroms folgten Germanenreiche im Westen, ein erstarktes Byzanz im Osten und ab dem 7. Jahrhundert die arabisch-islamische Expansion. Den Anstoß zur Völkerwanderung gab um 375 der Einfall der Hunnen. 395 wurde das Römische Reich geteilt, 476 setzte der germanische Heerführer Odoaker den letzten weströmischen Kaiser ab.

Die Vandalen zogen über Spanien nach Nordafrika und nahmen 439 Karthago ein, die Westgoten herrschten in Spanien, ab 489 übernahmen die Ostgoten Italien. Der oströmische Kaiser Justinian I. (527–565) eroberte große Teile des Westens zurück und ließ in Konstantinopel die Hagia Sophia errichten. Nach seinem Tod drangen die Langobarden nach Italien vor. Ab den 630er-Jahren breitete sich der Islam rasch über die Levante und Nordafrika aus, 711 setzten arabisch-berberische Truppen nach Spanien über. 732 stoppte Karl Martell ihren Vorstoß im Frankenreich. Damit entstand die Grundteilung, die das Mittelmeer bis heute prägt: ein überwiegend christlicher Norden und ein überwiegend muslimischer Süden und Osten – mehr dazu auf der Seite Land & Leute am Mittelmeer.

Wie sah das Mittelalter am Mittelmeer aus?

Das Mittelalter war eine Zeit wechselnder Großmächte: Byzanz, arabische Dynastien, Normannen, Kreuzfahrer und schließlich die italienischen Seerepubliken und die Osmanen rangen um Küsten, Inseln und Handelswege.

Hochmittelalter: Normannen und Kreuzzüge

Sizilien wurde im 9. Jahrhundert arabisch, um 1000 setzten sich in Süditalien die Normannen fest. In Palermo, Cefalù und Monreale entstand daraus eine einzigartige arabisch-normannische Baukunst. Auf einen Hilferuf des byzantinischen Kaisers hin rief Papst Urban II. 1095 zum Ersten Kreuzzug auf, 1099 eroberten die Kreuzfahrer Jerusalem und gründeten an der Levante eigene Staaten. Der Vierte Kreuzzug wandte sich 1204 gegen Konstantinopel selbst und plünderte die Stadt – ein Schlag, von dem sich Byzanz nie mehr erholte. Größter Gewinner war Venedig, das sich Inseln und Häfen in der Ägäis sicherte. Wer die normannische Epoche sehen möchte, findet sie auf Sizilien.

Spätmittelalter: Seerepubliken, Ritterorden und Osmanen

Im Spätmittelalter beherrschten italienische Handelsstädte das Meer. Venedig kontrollierte die Adria und viele Stützpunkte im Osten, Genua konkurrierte mit eigenen Kolonien, die Krone Aragón dehnte sich über Sardinien, Sizilien und Neapel aus. An der Adria behauptete sich die kleine Republik Ragusa, das heutige Dubrovnik in Kroatien. Der Johanniterorden residierte ab Anfang des 14. Jahrhunderts auf Rhodos – die Ritterstadt ist bis heute erhalten, mehr dazu auf dem Partnerportal rhodos.info. Gleichzeitig wuchs das Osmanische Reich, 1453 fiel Konstantinopel. 1492 eroberten die Katholischen Könige Granada und beendeten die Reconquista; im selben Jahr erreichte Kolumbus Amerika, und der Schwerpunkt des Welthandels begann sich langsam zum Atlantik zu verschieben.

Tipp · Die Altstadt von Rhodos und Valletta auf Malta lassen sich auf einer Kreuzfahrt oder Inselreise gut kombinieren: Beide wurden vom Johanniterorden geprägt und zeigen, wie sich die Ritter nach dem Verlust von Rhodos neu befestigten.

Welche Rolle spielten Piraten und Korsaren?

Seeräuberei begleitete das Mittelmeer, solange es Seehandel gab. Die buchtenreichen Küsten und unzähligen Inseln boten Verstecke, und schon antike Autoren wie Homer und Herodot berichten von Überfällen. Rom ging 67 v. Chr. unter Pompeius mit einer großen Flottenaktion gegen die Piraten vor.

Ihre bekannteste Epoche hatten die sogenannten Barbaresken-Korsaren vom 16. bis ins frühe 19. Jahrhundert. Von Algier, Tunis, Tripolis und Salé aus kaperten sie Schiffe und überfielen Küstendörfer; Gefangene wurden versklavt oder gegen Lösegeld freigelassen. Ab 1529 standen sie unter osmanischer Oberhoheit, berühmte Anführer waren Khair ad-Din Barbarossa und Turgut Reis. Doch auch christliche Seiten führten einen Kaperkrieg, etwa die Malteserritter. Viele Staaten stellten sogenannte Kaperbriefe aus, die das Aufbringen feindlicher Schiffe erlaubten und dem Aussteller einen Teil der Beute sicherten. Andere zahlten Tribut, darunter zeitweise die jungen USA, die 1801–1805 und 1815 Krieg gegen die Barbareskenstaaten führten. Mit der französischen Eroberung Algiers 1830 endete diese Ära.

Die Spuren sind heute an fast jeder Küste sichtbar: Wachtürme auf Mallorca und Sardinien, die Genuesertürme auf Korsika, befestigte Bergdörfer, die bewusst weit weg vom Ufer angelegt wurden.

Was veränderte die Frühe Neuzeit?

In der Frühen Neuzeit standen sich zwei Großmächte gegenüber: das Spanien der Habsburger im Westen und das Osmanische Reich im Osten. Die Osmanen eroberten 1522 Rhodos und belagerten 1529 erstmals Wien. Kaiser Karl V. übergab Malta 1530 den vertriebenen Johannitern, die 1565 der Großen Belagerung durch die Osmanen standhielten und danach die Festungsstadt Valletta gründeten, heute UNESCO-Welterbe. Die Geschichte der Inselgruppe erzählt das maltesische Tourismusamt auf visitmalta.com.

1570/71 verlor Venedig Zypern an die Osmanen, doch am 7. Oktober 1571 besiegte die Flotte der Heiligen Liga die osmanische Flotte in der Seeschlacht von Lepanto im Golf von Patras. Strategisch blieb der Sieg begrenzt, er beendete aber den Mythos der osmanischen Unbesiegbarkeit zur See. Die zweite Belagerung Wiens 1683 scheiterte und gilt als Beginn des langen osmanischen Rückzugs aus Europa. Der Spanische Erbfolgekrieg (1701–1714) ordnete das westliche Mittelmeer neu: Mit dem Frieden von Utrecht 1713 fiel Gibraltar an Großbritannien, Österreich gewann Gebiete in Italien. Insgesamt verlor das Mittelmeer in dieser Zeit wirtschaftlich an Gewicht, weil der Welthandel über den Atlantik lief.

Was brachte das 19. Jahrhundert?

Das 19. Jahrhundert brachte neue Nationalstaaten im Norden und die Kolonialisierung des Südens. Napoleon nahm 1798 auf dem Weg nach Ägypten Malta ein, kurz darauf übernahmen die Briten die Insel. Nach seiner Niederlage stellte der Wiener Kongress 1815 viele alte Grenzen wieder her.

Griechenland erkämpfte sich in den 1820er-Jahren die Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich, Frankreich begann 1830 mit der Eroberung Algeriens und errichtete 1881 ein Protektorat über Tunesien. Italien wurde 1861 Königreich, 1870 fiel mit Rom der letzte Rest des Kirchenstaats; übrig blieb später der Vatikanstaat. 1869 eröffnete der Suezkanal und machte das Mittelmeer wieder zur Hauptroute zwischen Europa und Asien – zur Geschichte des Landes am Kanal mehr auf dem Partnerportal aegypten.de. 1882 besetzte Großbritannien Ägypten. Gleichzeitig begann eine neue Form von Reisen: Wohlhabende Briten und Russen überwinterten an der Côte d’Azur, die Eisenbahn brachte erste Touristen ans Meer.

Wie prägte das 20. Jahrhundert die Region?

Das 20. Jahrhundert brachte Weltkriege, das Ende der Imperien und die Entkolonialisierung. 1911/12 eroberte Italien Libyen, nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel das Osmanische Reich. 1923 wurde die Republik Türkei gegründet, Syrien und Libanon kamen unter französisches, Palästina unter britisches Mandat. Im Zweiten Weltkrieg kämpften die Achsenmächte und die Alliierten um Nordafrika, Griechenland und Italien; 1942 wurde der deutsch-italienische Vormarsch bei El Alamein gestoppt, 1943 landeten die Alliierten auf Sizilien. Jüdische Gemeinden in Griechenland, Italien und Frankreich wurden deportiert und ermordet.

Nach 1945 entstanden zahlreiche neue Staaten: Libanon (1943) und Syrien (1946), Israel (1948), Libyen (1951), Marokko und Tunesien (1956), Zypern (1960), Algerien (1962) und Malta (1964). Zypern ist seit 1974 geteilt. Der Zerfall Jugoslawiens in den 1990er-Jahren führte zu Kriegen an der Adria, aus denen unter anderem Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina und später Montenegro als eigene Staaten hervorgingen. Griechenland (1981), Spanien (1986), Malta, Zypern, Slowenien (2004) und Kroatien (2013) traten der EU bei. Ab den 1960er-Jahren machte der Massentourismus das Mittelmeer zur größten Ferienregion der Welt. Für Reisen in Länder mit angespannter Lage gelten die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amts.

Wo erlebt man welche Epoche heute?

Fast jede Epoche hat Bauwerke hinterlassen, die man besichtigen kann. Die folgende Zeitleiste fasst die wichtigsten Abschnitte zusammen und nennt jeweils ein gut erreichbares Reiseziel. Viele davon gehören zum Welterbe und lassen sich mit einem Badeurlaub verbinden; über die Kunst und Baustile der einzelnen Epochen informiert die Seite zur Kultur am Mittelmeer.

Zeitleiste Geschichte des Mittelmeerraums
Ur- und Frühgeschichtebis ca. 1200 v. Chr.Megalithtempel, minoische Paläste, Mykene, TrojaMalta und Gozo, Knossos auf Kreta
Antikeca. 1000 v. Chr. bis 476 n. Chr.Phönizier, Griechen, Karthago, Römisches ReichAthen, Rom, Pompeji, Ephesos
Völkerwanderung und Frühmittelalterca. 375 bis 1000Germanenreiche, Byzanz, islamische ExpansionHagia Sophia in Istanbul, Mosaiken in Ravenna
Hochmittelalterca. 1000 bis 1250Normannen, Kreuzzüge, Plünderung Konstantinopels 1204Palermo, Cefalù und Monreale
Spätmittelalterca. 1250 bis 1500Seerepubliken, Johanniter, Fall Konstantinopels 1453Altstadt von Rhodos, Dubrovnik, Venedig
Piraten und KorsarenHöhepunkt 16. bis frühes 19. JahrhundertBarbaresken, Kaperkrieg, WachtürmeGenuesertürme auf Korsika, Küstentürme auf Mallorca
Frühe Neuzeitca. 1500 bis 1800Spanien gegen Osmanen, Malta 1565, Lepanto 1571Valletta, Festungen von Kotor
19. Jahrhundert1800 bis 1914Napoleon, Nationalstaaten, Kolonien, SuezkanalBelle-Époque-Villen in Nizza, Port Said
20. Jahrhundert1914 bis 2000Weltkriege, Unabhängigkeit, Teilung Zyperns, TourismusNikosia mit der Grünen Linie

Für eine Geschichtsreise eignen sich Städte, in denen mehrere Schichten übereinanderliegen: In Rom stehen antike Ruinen, frühchristliche Basiliken und barocke Plätze nebeneinander, in Istanbul römische Mauern, byzantinische Kirchen und osmanische Moscheen. Auf Malta reicht die Zeitreise auf engem Raum von den Megalithtempeln über die Ritterzeit bis zu den Bunkern des Zweiten Weltkriegs.

Tipp · Wer viele Epochen in kurzer Zeit erleben möchte, startet in einer Stadt mit großem archäologischen Museum – etwa Athen, Neapel oder Heraklion. Dort lassen sich die Funde einordnen, bevor man die Stätten selbst besucht.
Welche Epoche hat die meisten Spuren am Mittelmeer hinterlassen?

Die Antike, vor allem die römische Zeit, weil Rom alle Küsten beherrschte und überall Städte, Straßen und Theater baute. Sehr präsent sind aber auch das Mittelalter mit Burgen und Altstädten und die osmanische Zeit im Osten.

Warum heißt das Mittelmeer bei den Römern „Mare Nostrum“?

„Unser Meer“ – nach dem Sieg über Karthago kontrollierte Rom sämtliche Küsten. Das Meer war damit ein Binnengewässer des Reiches und seine wichtigste Verkehrsader.

Wann endete die Zeit der Barbaresken-Piraten?

Im frühen 19. Jahrhundert. Nach Strafexpeditionen europäischer Flotten und der USA beendete die französische Eroberung Algiers 1830 die Korsarenstaaten weitgehend.

Welche Länder entstanden erst im 20. Jahrhundert?

Unter anderem die Türkei als Republik (1923), Libanon, Syrien, Israel, Libyen, Marokko, Tunesien, Algerien, Zypern und Malta sowie nach dem Zerfall Jugoslawiens Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina und Montenegro.

Wann ist die beste Zeit für eine Geschichtsreise?

Frühjahr und Herbst. Ausgrabungen und Festungen bieten kaum Schatten, im Hochsommer wird ein Besuch schnell anstrengend. Früh am Morgen ist es außerdem deutlich ruhiger.

Tipp · Rhodos, Ephesos, Athen und Istanbul liegen auf vielen Routen im Osten – eine Kreuzfahrt im östlichen Mittelmeer verbindet so drei Jahrtausende Geschichte in einer Woche.