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Land & Leute am Mittelmeer

Land & Leute am Mittelmeer

Land & Leute am Mittelmeer
Am Mittelmeer liegen 21 Staaten auf drei Kontinenten, dazu kommen Gebiete wie Gibraltar und der Gazastreifen. Zusammen zählen diese Länder mehr als eine halbe Milliarde Einwohner. Sie sprechen romanische, slawische, semitische und weitere Sprachen, gehören überwiegend dem Christentum oder dem Islam an und leben heute zu einem großen Teil vom Tourismus.

Kaum ein Meer verbindet so unterschiedliche Länder wie das Mittelmeer: EU-Staaten und Monarchien, Großstädte mit Millionen Einwohnern und fast menschenleere Inseln, katholische Prozessionen und der Ruf des Muezzins. Diese Seite gibt einen sachlichen Überblick über Bevölkerung und Städte, Sprachen, Religionen, Staaten und Wirtschaft – und erklärt, was davon für Reisende im Alltag wichtig ist. Steckbriefe zu den einzelnen Ländern finden sich im Überblick Länder am Mittelmeer.

Schnellfakten Land und Leute am Mittelmeer
Anrainerstaaten21 Staaten in Europa, Asien und Afrika, dazu Gibraltar (britisch) und der Gazastreifen
Einwohnerdie Anrainerstaaten zusammen mehr als 500 Millionen, an den Küsten selbst ein Teil davon
Größte KüstenstadtIstanbul (am Marmarameer und Bosporus); direkt am Mittelmeer unter anderem Alexandria, Barcelona und Athen
Sprachfamilienromanisch, slawisch, griechisch, albanisch, türkisch, semitisch (Arabisch, Hebräisch, Maltesisch), Amazigh
ReligionenChristentum (katholisch, orthodox), Islam, Judentum
WährungEuro in acht EU-Staaten, dazu in Monaco und Montenegro; sonst Landeswährungen
Tourismusrund 400 Millionen internationale Ankünfte pro Jahr (Plan Bleu)

Welche Staaten liegen am Mittelmeer?

Am Mittelmeer haben 21 Staaten eine Küste. In Europa sind es Spanien, Frankreich, Monaco, Italien, Malta, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien und Griechenland. Die Türkei verbindet Europa und Asien, in Asien folgen Zypern, Syrien, Libanon und Israel. In Afrika liegen Ägypten, Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko am Meer.

Hinzu kommen Gebiete mit besonderem Status: Gibraltar ist britisches Überseegebiet, der Gazastreifen gehört zu den Palästinensischen Gebieten, und der Norden Zyperns steht seit 1974 unter türkisch-zyprischer Verwaltung, die international nur von der Türkei anerkannt wird. An der Nordküste Afrikas besitzt Spanien die Städte Ceuta und Melilla. Der Vatikanstaat, San Marino und Andorra zählen kulturell zum Mittelmeerraum, haben aber keine eigene Küste. Wie diese Grenzen entstanden sind, zeigt die Übersicht zur Geschichte des Mittelmeerraums.

Wie viele Menschen leben am Mittelmeer?

Die Anrainerstaaten haben zusammen mehr als 500 Millionen Einwohner; die bevölkerungsreichsten sind Ägypten und die Türkei, gefolgt von Frankreich, Italien, Spanien und Algerien. Genaue Zahlen für die eigentlichen Küstenregionen sind schwer zu nennen, weil die Abgrenzung unterschiedlich ausfällt und große Teile der Bevölkerung im Binnenland leben – etwa in Kairo, Madrid oder Paris.

Die Entwicklung verläuft gegensätzlich. Im Norden altern die Gesellschaften, in Italien, Spanien und Griechenland gehen die Einwohnerzahlen in vielen Regionen zurück, und Bergdörfer leeren sich. Im Süden und Osten ist die Bevölkerung im Durchschnitt deutlich jünger und wächst. Die Bevölkerung ist zudem vielfältiger, als es Staatsgrenzen vermuten lassen: In Marokko und Algerien leben große Amazigh-Gemeinschaften (Berber), in der Türkei Kurden als größte Minderheit, in Bosnien und Herzegowina Bosniaken, Serben und Kroaten. Im Libanon teilen sich zahlreiche Religionsgemeinschaften die politische Macht. In fast allen europäischen Mittelmeerländern leben außerdem Roma, und in den Urlaubsregionen haben sich viele Menschen aus Mittel- und Nordeuropa niedergelassen.

Welche Großstädte prägen die Küsten?

Die Küsten sind stark verstädtert, und die meisten großen Hafenstädte haben eine lange Geschichte. Istanbul ist mit weit über 15 Millionen Einwohnern die größte Stadt der Region, liegt aber genau genommen am Bosporus und am Marmarameer. Direkt am Mittelmeer sind Alexandria, Barcelona, Athen mit Piräus, Algier, Neapel, Izmir und Marseille die großen Metropolen, dazu Tunis, Tel Aviv, Beirut, Valencia, Thessaloniki und Antalya.

Viele dieser Städte sind heute Ausgangspunkt für eine Reise: Barcelona und Marseille für das westliche Mittelmeer, Athen und Izmir für die Ägäis, Antalya für die türkische Südküste. Einen Überblick gibt die Seite Städte und Regionen am Mittelmeer. Gleichzeitig ist der Druck auf die Küsten groß: Tourismus, Zuzug und Bauboom haben vielerorts ganze Küstenstreifen bebaut, während das Hinterland Einwohner verliert.

Welche Sprachen spricht man am Mittelmeer?

Rund ums Mittelmeer spricht man Sprachen aus mehreren Sprachfamilien. Im Westen dominieren romanische Sprachen: Spanisch, Französisch und Italienisch, dazu Katalanisch, das in Katalonien, Valencia und auf den Balearen Amtssprache neben dem Spanischen ist, sowie Okzitanisch, Korsisch und Sardisch. An der Adria folgen slawische Sprachen wie Slowenisch, Kroatisch, Bosnisch, Serbisch und Montenegrinisch, außerdem Albanisch.

Im Osten werden Griechisch und Türkisch gesprochen, im Süden und in der Levante Arabisch in vielen regionalen Varianten, die sich teils stark voneinander unterscheiden. In Marokko und Algerien ist Amazigh (Berberisch) Amtssprache, in Israel Hebräisch. Eine Besonderheit ist das Maltesische: eine semitische Sprache, die in lateinischer Schrift geschrieben wird und viele italienische und englische Wörter enthält – Englisch ist auf Malta zweite Amtssprache. In touristischen Regionen kommt man fast überall mit Englisch weiter, im Maghreb und im Libanon hilft Französisch, in Albanien und Montenegro wird oft Italienisch verstanden.

Tipp · Ein paar Wörter in der Landessprache – Gruß, Danke, Bitte – öffnen fast überall Türen. Auf den Balearen und in Katalonien freuen sich viele Einheimische besonders über ein katalanisches „Bon dia“ und „Gràcies“.

Welche Religionen prägen den Mittelmeerraum?

Der Mittelmeerraum ist von Christentum und Islam geprägt, und mit dem Judentum haben alle drei abrahamitischen Religionen hier ihren Ursprung. Das Christentum verbreitete sich von der Levante über Kleinasien, Griechenland und Ägypten bis nach Rom. Heute ist der Westen und Norden bis Kroatien überwiegend katholisch, das Oberhaupt der katholischen Kirche residiert im Vatikan in Rom. Griechenland, Zypern, Serbien und Montenegro sind orthodox geprägt.

Der Islam verbreitete sich ab dem 7. Jahrhundert über Nordafrika und die Levante und kam später mit den Osmanen auf den Balkan. Er ist heute Mehrheitsreligion in der Türkei, in Nordafrika, Syrien, Albanien und unter den Bosniaken. Christliche Gemeinschaften gibt es auch im Süden und Osten, etwa die Kopten in Ägypten und die Maroniten im Libanon. Israel ist der einzige Staat mit jüdischer Bevölkerungsmehrheit. Für Reisende bedeutet das: An Feiertagen, im Ramadan oder an hohen kirchlichen Festen ändern sich Öffnungszeiten und Abläufe, und religiöse Stätten verlangen angemessene Kleidung.

Wie sind die Staaten politisch organisiert?

Die meisten Mittelmeerstaaten sind Republiken, Monarchien sind Spanien, Monaco und Marokko. Acht Anrainer sind Mitglied der Europäischen Union und zahlen mit dem Euro: Spanien, Frankreich, Italien, Malta, Slowenien, Kroatien, Griechenland und Zypern. Montenegro, Albanien, Bosnien und Herzegowina sowie die Türkei sind Beitrittskandidaten, wobei die Gespräche mit der Türkei seit Jahren stillstehen. Der NATO gehören unter anderem Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland, die Türkei, Kroatien, Slowenien, Albanien und Montenegro an. Die arabischen Anrainer sind Mitglieder der Arabischen Liga.

Für die Zusammenarbeit über das Meer hinweg gibt es eigene Formate. Der Barcelona-Prozess von 1995 wurde 2008 zur Union für den Mittelmeerraum weiterentwickelt, der laut ihrem Sekretariat 43 Staaten angehören; Sitz des Sekretariats ist Barcelona. Beim Meeresschutz arbeiten die Anrainer im Rahmen der Barcelona-Konvention zusammen. Einige Länder der Region sind von Konflikten oder politischen Spannungen betroffen; vor jeder Reise lohnt deshalb ein Blick in die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts.

Wovon leben die Menschen am Mittelmeer?

Die Wirtschaft reicht von Hightech und Finanzdienstleistungen bis zu Landwirtschaft und Handwerk, und fast überall spielt der Tourismus eine große Rolle. Typisch für das Klima sind Oliven, Wein, Zitrusfrüchte, Gemüse aus Gewächshäusern und Getreide – mehr zu den bekanntesten Produkten auf der Seite Wein und Olivenöl. Die Fischerei hat Tradition, kämpft aber mit überfischten Beständen. Bodenschätze sind ungleich verteilt: Algerien, Libyen und Ägypten fördern Öl und Gas, im östlichen Mittelmeer wurden große Gasfelder erschlossen, Marokko verfügt über die größten bekannten Phosphatvorkommen der Welt, und der weiße Marmor aus Carrara in der Toskana ist weltberühmt. Industriezentren liegen vor allem in Norditalien, Spanien, Frankreich und der Türkei. Traditionelles Handwerk – Teppiche, Keramik, Lederwaren, Schmuck – ist besonders in Nordafrika und der Türkei lebendig und eng mit dem Tourismus verbunden. Über die Seewege und den Suezkanal läuft zudem ein großer Teil des Welthandels zwischen Europa und Asien.

Der Tourismus ist für viele Länder die wichtigste Einnahmequelle. Laut Plan Bleu, dem Umweltbeobachtungszentrum des UN-Mittelmeeraktionsplans, empfängt die Region jährlich rund 400 Millionen internationale Gäste, etwa 30 Prozent des weltweiten Tourismus, und ein Großteil davon konzentriert sich auf die Küsten (planbleu.org). Er schafft Arbeitsplätze, belastet aber auch Wasserreserven, Landschaften und Altstädte. Wie man nachhaltiger reist und welche Regionen sich wann eignen, erklärt die Seite Reise & Tourismus am Mittelmeer.

Welche Rolle spielt Migration?

Migration prägt den Mittelmeerraum seit der Antike, als Phönizier und Griechen Kolonien an fremden Küsten gründeten. In der Neuzeit wanderten Millionen Menschen aus Italien, Spanien und Griechenland nach Übersee aus. Ab den 1950er- und 1960er-Jahren kamen über Anwerbeabkommen viele Arbeitskräfte aus Italien, Spanien, Griechenland, der Türkei, dem damaligen Jugoslawien, Marokko und Tunesien nach Deutschland – auch deshalb sind die Verbindungen zwischen Deutschland und den Mittelmeerländern heute so eng.

Heute ist das Mittelmeer zugleich ein Weg nach Europa für Menschen aus Afrika und Asien. Die wichtigsten Ankunftsländer sind Italien, Griechenland, Spanien, Zypern und Malta. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR zählte im Jahr 2015 rund eine Million Ankünfte über das Mittelmeer, 2024 rund 199.000 und 2025 rund 155.000. Die Überfahrten sind gefährlich, und jedes Jahr kommen dabei Menschen ums Leben. Für Urlaubsreisen hat das Thema in der Regel keine praktischen Auswirkungen, es bestimmt aber die politische Debatte in vielen Anrainerstaaten.

Was sollten Reisende über den Alltag wissen?

Bei aller Vielfalt gibt es Gemeinsamkeiten: Das Leben findet viel im Freien statt, die Familie hat einen hohen Stellenwert, und Gastfreundschaft wird großgeschrieben. Im Süden Europas wird spät gegessen – in Spanien oft erst ab 21 Uhr –, und die Mittagsruhe ist vor allem in kleineren Orten noch üblich. In Italien gehört die abendliche Passeggiata, der Spaziergang durch die Hauptstraße, zum Alltag, in Griechenland und der Türkei das Kaffeehaus.

Auf den Märkten im Maghreb und in der Türkei ist Handeln üblich, in Supermärkten und Restaurants dagegen nicht. In ländlichen und religiös geprägten Regionen ist zurückhaltende Kleidung angebracht, beim Besuch von Kirchen und Moscheen sowieso. Fotos von Menschen sollte man nur mit deren Einverständnis machen. Wer diese Gepflogenheiten respektiert, erlebt die Menschen am Mittelmeer meist als offen und herzlich. Wie sich das im Essen und in den Festen widerspiegelt, zeigt die Seite zur Kultur am Mittelmeer.

Wie viele Länder grenzen ans Mittelmeer?

21 Staaten haben eine Mittelmeerküste. Hinzu kommen Gebiete wie Gibraltar, der Gazastreifen und die spanischen Städte Ceuta und Melilla in Nordafrika.

Mit welcher Sprache kommt man am Mittelmeer am besten durch?

In Urlaubsregionen fast überall mit Englisch. In Nordafrika und im Libanon ist Französisch sehr nützlich, an der Adria und in Albanien wird häufig auch Italienisch oder Deutsch verstanden.

In welchen Mittelmeerländern zahlt man mit Euro?

In Spanien, Frankreich, Italien, Malta, Slowenien, Kroatien, Griechenland und Zypern sowie in Monaco und Montenegro. In den übrigen Ländern gilt die jeweilige Landeswährung.

Ist der Ramadan ein Hindernis für eine Reise?

Nein, aber er verändert den Tagesablauf. Tagsüber sind manche Lokale geschlossen, abends herrscht dafür lebhafte Stimmung. Rücksicht beim Essen und Trinken in der Öffentlichkeit wird geschätzt.

Welche Länder leben am stärksten vom Tourismus?

Besonders abhängig sind kleinere Staaten und Inseln wie Malta, Zypern, Montenegro und Kroatien sowie viele Küstenregionen in Spanien, Griechenland und der Türkei.

Tipp · Wer Land und Leute wirklich kennenlernen möchte, wählt eine Region mit ursprünglichen Dörfern und Märkten – etwa auf einer der großen Inseln. Anregungen gibt der Überblick über die schönsten Inseln im Mittelmeer.