Wer „ans Mittelmeer“ fährt, entscheidet sich in Wahrheit für ein bestimmtes Teilmeer und eine bestimmte Küste – und die unterscheiden sich stärker, als die gemeinsame Farbe des Wassers vermuten lässt. Das Mittelmeer erstreckt sich über rund 2,5 Millionen Quadratkilometer zwischen Europa, Afrika und Asien und zerfällt in mehrere Becken, die durch Meerengen, Halbinseln und Inselbögen voneinander getrennt sind. Jedes dieser Becken hat seine eigene Wassertemperatur, seine eigene Küstenform und seine eigene Reisekultur. Diese Übersicht ordnet die wichtigsten Meere und Küsten ein und führt zu den ausführlichen Profilen.
Welche Teilmeere hat das Mittelmeer?
Geografen unterteilen das Mittelmeer in ein westliches und ein östliches Becken, getrennt durch die Straße von Sizilien zwischen Tunesien und Sizilien. Innerhalb dieser beiden Hälften liegen die eigentlichen Teilmeere, die für Reisende zählen. Im Norden reicht die Adria tief zwischen Italien und den Balkan; westlich der italienischen Halbinsel liegt das Tyrrhenische Meer mit Sardinien, Korsika und Sizilien als Eckpunkten. Nördlich davon schließt das kleine, milde Ligurische Meer mit der italienischen und französischen Riviera an. Zwischen Süditalien und Griechenland dehnt sich das tiefe Ionische Meer, während im Osten die inselübersäte Ägäis Griechenland und die Türkei trennt. Weiter östlich folgen das Levantische Meer vor der Küste Zyperns und der Levante sowie das Marmarameer als Bindeglied zum Schwarzen Meer.
Wie unterscheiden sich die Küsten?
Wo ist das Wasser am wärmsten?
Welche Küste passt zu mir?
Wie kombiniert man Meere und Küsten?
Welche Nebenmeere und Golfe gibt es?
Natur, Geologie und Flüsse
Welche berühmten Küsten gehören zum Mittelmeer?
Die bekanntesten Küstenabschnitte sind zugleich die klassischen Urlaubsregionen. Die Côte d’Azur zwischen Cassis und Menton steht für mondänen Glanz, Pinienduft und tiefblaues Wasser. Die Amalfiküste südlich von Neapel türmt pastellfarbene Dörfer über steile Felswände. An Spaniens Nordostküste reiht die Costa Brava Felsbuchten und Pinienwälder aneinander, während die Costa del Sol in Andalusien mit langen Sandstränden und milden Wintern punktet. Im Osten lockt die Türkische Riviera mit warmem Wasser bis in den Oktober und antiken Ruinen direkt am Strand. Jede dieser Küsten hat ihr eigenes Preisniveau, ihre eigene Anreise und ihre eigene Hochsaison.
Wie unterscheiden sich die Küsten voneinander?
Der wichtigste Unterschied ist die Küstenform. Steilküsten wie die Amalfiküste, die Cinque Terre oder Teile der Côte d’Azur bieten spektakuläre Ausblicke, aber oft nur kleine Kies- oder Felsbuchten; wer weite Sandstrände sucht, ist an der Costa del Sol, der Costa Brava oder der türkischen Südküste besser aufgehoben. Der zweite Unterschied ist das Wasser: Die Adria und das Ionische Meer gelten als besonders klar und ruhig, weil kaum große Flüsse Trübstoffe einbringen und viele Buchten geschützt liegen. Der dritte Unterschied ist die Bebauung – von unberührten Naturküsten Sardiniens oder Albaniens bis zu durchgehend erschlossenen Ferienregionen. Wer die Wahl treffen will, sollte zuerst überlegen, ob Baden, Kultur, Wandern oder Nachtleben im Vordergrund steht.
Wo ist das Wasser am wärmsten und klarsten?
Am wärmsten wird das Mittelmeer im Osten und Süden. Vor der türkischen und zyprischen Küste steigt die Wassertemperatur im Hochsommer auf 26 bis 28 Grad und bleibt bis in den Oktober badetauglich. Das westliche Becken ist etwas kühler, das nördliche Ligurische Meer und die obere Adria bleiben im Frühsommer frischer. Für glasklares Wasser sind die Adria (vor allem an der kroatischen Küste und ihren Inseln), das Ionische Meer rund um Korfu und die abgelegenen Buchten Sardiniens und Korsikas berühmt. Details zu Monaten und Regionen stehen in unserem Ratgeber zur besten Reisezeit und zum Klima am Mittelmeer.
Welche Küste passt zu welchem Urlaub?
Für Familien mit Kindern eignen sich flach abfallende Sandstrände mit Infrastruktur – die Costa del Sol, die türkische Riviera oder die oberitalienische Adria. Kulturreisende finden an der Amalfiküste, der Côte d’Azur und in der Adria die dichteste Mischung aus Baden und Sehenswürdigkeiten. Wer Ruhe und Natur sucht, fährt nach Sardinien, an die albanische Riviera oder in abgelegene Ecken des Ionischen Meeres. Aktivurlauber schätzen die Wanderwege der Cinque Terre und der Côte d’Azur sowie die Segel- und Tauchreviere der Adria. Wer möglichst viele Küsten auf einer Reise sehen will, kombiniert sie zu einer Mittelmeer-Kreuzfahrt.
Wie kommt man an die Mittelmeerküsten?
Die meisten Küstenregionen sind über nahe Flughäfen gut erreichbar – Nizza für die Côte d’Azur, Neapel für die Amalfiküste, Barcelona oder Girona für die Costa Brava, Málaga für die Costa del Sol, Antalya für die türkische Riviera. Wer mit dem eigenen Auto anreist oder Inseln einbinden will, nutzt die dichten Fährverbindungen; einen Überblick geben unsere Seiten zur Anreise und zu den Fähren im Mittelmeer. Rund um die Teilmeere liegen außerdem die großen Mittelmeerinseln, die sich gut mit einem Küstenaufenthalt verbinden lassen.
Was lebt im Mittelmeer?
Unter der Oberfläche ist das Mittelmeer erstaunlich artenreich, obwohl es ein nährstoffarmes Meer ist. Posidonia-Seegraswiesen, Rifffische, Muränen, Zackenbarsche und gelegentlich Delfine oder Meeresschildkröten bevölkern die Küstengewässer. Wer diese Welt entdecken möchte, findet in den geschützten Buchten hervorragende Reviere zum Tauchen und Schnorcheln. Mehr zur Unterwasserwelt steht auf unseren Seiten zu Fischen sowie Flora und Fauna.
Wie groß ist das Mittelmeer und wie hängt es mit anderen Meeren zusammen?
Das Mittelmeer bedeckt rund 2,5 Millionen Quadratkilometer und ist im Schnitt etwa 1.500 Meter tief; seine tiefste Stelle liegt mit über 5.100 Metern im Ionischen Meer. Mit dem Atlantik ist es nur über die schmale Straße von Gibraltar verbunden, gerade einmal 14 Kilometer breit. Weil durch diese enge Pforte weniger Wasser nachströmt, als in der starken Sommersonne verdunstet, ist das Mittelmeer salzhaltiger und wärmer als der offene Ozean. Im Osten schafft der künstliche Suezkanal seit 1869 eine Verbindung zum Roten Meer, im Nordosten führen die Dardanellen und der Bosporus über das Marmarameer ins Schwarze Meer. Ein weiterer Effekt der engen Verbindung: Das Mittelmeer hat kaum Gezeiten – der Tidenhub beträgt meist nur wenige Zentimeter, was das Baden besonders berechenbar macht.
Welche Inseln liegen in den Teilmeeren?
Zu jedem Teilmeer gehören charakteristische Inseln, die eigene Reiseziele bilden. Im westlichen Becken liegen die Balearen, Sardinien und Korsika. Das Tyrrhenische Meer umschließt Capri, Ischia und die Liparischen Inseln, während Sizilien und Malta die Brücke zwischen West und Ost bilden. In der Ägäis reihen sich die Kykladen und der Dodekanes, im Süden liegt Kreta. Ganz im Osten schließt Zypern das Mittelmeer ab. Einen vollständigen Überblick bietet unser Insel-Hub. So lässt sich fast jede Küste mit einem Inselaufenthalt oder einem Inselhopping verbinden.
Wie kombiniert man Meere und Küsten zu einer Reise?
Weil die Teilmeere und Küsten so unterschiedlich sind, lohnt es sich, sie bewusst zu kombinieren. Klassische Routen verbinden benachbarte Regionen mit kurzen Wegen: die ligurische Küste mit der Côte d’Azur per Bahn, die Adria mit den griechischen Inseln per Nachtfähre, oder die spanische Costa Brava mit dem Hinterland Kataloniens. Wer möglichst viele Facetten in einer Reise erleben will, ohne selbst zu planen, wählt eine Kreuzfahrt, die mehrere Häfen und Länder verbindet. Für individuelle Reisen helfen unsere Ratgeber zur Anreise, zu den Fähren und zur besten Reisezeit, um die passende Kombination zu finden.
Welche Nebenmeere und Golfe gibt es außer den großen Teilmeeren?
Die Grenze zwischen West- und Ostbecken bildet eine untermeerische Schwelle in der Straße von Sizilien: Die Internationale Hydrographische Organisation zieht sie von der Westspitze Siziliens über die Adventure-Bank bis zum Kap Bon in Tunesien. Verbunden sind beide Hälften über diese Meerenge und die schmale Straße von Messina. Neben den großen Teilmeeren gibt es eine Reihe kleinerer Nebenmeere und Golfe, die als Reiseziel seltener im Mittelpunkt stehen, die Karte des Mittelmeers aber entscheidend prägen. Die Golfe von Adria, Ägäis, Ionischem und Tyrrhenischem Meer werden jeweils auf den Seiten dieser Meere vorgestellt.
| Levantisches Meer | Östlichstes Becken zwischen Türkei, Zypern, Syrien, Libanon, Israel und Ägypten; größte Insel ist Zypern, der Nil liefert den Großteil des Flusswassers. Rund 320.000 km², im Plinius-Graben südlich von Kreta mehr als 4.000 m tief. Das wärmste und salzigste Teilmeer. |
|---|---|
| Marmarameer | Binnenmeer ganz in der Türkei zwischen Dardanellen und Bosporus, Verbindung zum Schwarzen Meer. Rund 11.350 km², bis etwa 1.370 m tief. Namensgeber ist die Marmorinsel Marmara; nahe Istanbul liegen die Prinzeninseln, im Osten der Golf von İzmit. In der Antike hieß es Propontis. |
| Libysches Meer | Meeresgebiet südlich von Kreta bis zur Küste Libyens; anders als die Ägäis fast inselleer, die größte Insel ist Gavdos, der südlichste Punkt Griechenlands. Kein von der IHO eigens abgegrenztes Meer, sondern eine gebräuchliche Bezeichnung. |
| Pelagische Inseln | Die italienischen Inseln Lampedusa, Linosa und Lampione zwischen Malta und Tunesien gehören zur Provinz Agrigent (Sizilien) und bilden den südlichsten Teil Italiens. Ihr Name kommt vom griechischen „pélagos“ (offenes Meer) – sie liegen weit westlich des Libyschen Meers und sind nicht mit ihm gleichzusetzen. |
| Golf von Gabès | Die „Kleine Syrte“ an der Ostküste Tunesiens zwischen Sfax und Djerba, mit den Kerkenna-Inseln. Flach (höchstens rund 200 m tief), mit dem ungewöhnlich großen Tidenhub von bis zu etwa 2 m bei Gabès; Sfax und Gabès sind wichtige Häfen. |
| Golf von Sidra | Die „Große Syrte“ an der Küste Libyens zwischen Bengasi und Misrata, rund 57.000 km² groß und der am weitesten nach Süden reichende Teil des Mittelmeers; an ihr liegen Sirte, Ras Lanuf und Brega mit Ölhäfen. Zur Reiselage gelten die Hinweise des Auswärtigen Amts. |
| Golfe du Lion | Der „Löwengolf“ an der französischen Südküste zwischen Katalonien und Toulon, mit Lagunen, Salzwiesen und dem Rhône-Delta; Marseille ist der größte Hafen, dazu Sète und Toulon. Mistral und Tramontane machen ihn zu einem der windigsten Reviere – hier bildet sich im Winter kaltes Tiefenwasser. Mehr dazu auf unserer Seite zu Frankreich. |
Was gehört zu Natur, Geologie und Flüssen des Mittelmeers?
Das Mittelmeer ist geologisch ein junges, unruhiges Meer. Es liegt an der Nahtstelle von Afrikanischer und Eurasischer Platte, was Vulkane wie Ätna, Vesuv und Stromboli sowie häufige Erdbeben erklärt. Vor rund 5,9 Millionen Jahren wurde es vom Atlantik abgeschnitten und trocknete in der sogenannten Messinischen Salinitätskrise teilweise aus, bevor es vor etwa 5,3 Millionen Jahren wieder geflutet wurde. Wie die Becken entstanden sind, erklärt unsere Seite zur Geologie des Mittelmeers. Das Süßwasser stammt vor allem aus wenigen großen Strömen – Nil, Rhône, Po und Ebro –, die unsere Übersicht der Flüsse ins Mittelmeer vorstellt. Von Seegraswiesen über Meeresschildkröten bis zu Walen im Ligurischen Meer reicht das Spektrum, das die Seite zu Flora und Fauna beschreibt; wo man diese Welt am besten unter Wasser erlebt, zeigt der Ratgeber zum Tauchen im Mittelmeer.
Wie viele Teilmeere hat das Mittelmeer?
Für Reisende zählen vor allem sieben: Adria, Ägäis, Ionisches, Tyrrhenisches, Ligurisches, Levantisches Meer und das Marmarameer. Grob teilt man das Mittelmeer in ein westliches und ein östliches Becken.
Welches Teilmeer ist am wärmsten zum Baden?
Das Levantische Meer im Osten sowie die türkische und zyprische Küste. Dort bleibt das Wasser bis Oktober bei 25 Grad und mehr, während das nördliche Ligurische Meer und die obere Adria kühler sind.
Welche Küste ist die schönste am Mittelmeer?
Das hängt vom Reisetyp ab: Für dramatische Steilküsten die Amalfiküste und die Cinque Terre, für mondänen Glanz die Côte d’Azur, für Sandstrände die Costa del Sol, für klares Wasser die Adria und das Ionische Meer.
Kann man mehrere Küsten in einem Urlaub verbinden?
Ja. Per Mietwagen lassen sich zum Beispiel die ligurische und die Côte d’Azur verbinden, per Fähre die Adria mit Griechenland. Am bequemsten sind mehrere Häfen auf einer Kreuzfahrt zu erleben.
Passend dazu: Cinque Terre, Dalmatien, Apulien, Meeresschutz im Mittelmeer.
Passend dazu: Istrien, Costa Blanca, Lykische Küste.
Passend dazu: Costa Smeralda.
