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Meeresschutz im Mittelmeer

Meeresschutz im Mittelmeer
Das Mittelmeer steht unter vielfachem Druck: Plastikmüll, Überfischung, Schiffsverkehr, Bebauung der Küsten, invasive Arten und steigende Wassertemperaturen. Geschützt wird es durch Meeresschutzgebiete, das Barcelona-Übereinkommen und Fangregeln. Reisende helfen durch Müllvermeidung, schonendes Ankern auf Sand, bewussten Fischkonsum und Abstand zu Wildtieren, besonders an Stränden, in Schutzgebieten und auf dem Wasser.

Das Mittelmeer ist ein vergleichsweise kleines, fast abgeschlossenes Meer, das nur durch die Straße von Gibraltar mit dem Atlantik verbunden ist. Das Wasser erneuert sich langsam, und Schadstoffe bleiben länger im System. Gleichzeitig leben an seinen Küsten viele Millionen Menschen, und im Sommer kommt ein Vielfaches an Gästen hinzu. Beides zusammen macht den Schutz des Meeres zu einer Aufgabe, die alle Anrainer betrifft.

Diese Seite erklärt sachlich, was dem Meer zusetzt, wie es geschützt wird und was jeder Reisende vor Ort tun kann. Sie ergänzt die Seite zu Flora und Fauna des Mittelmeers, die Pflanzen und Tiere selbst beschreibt. Stand: Oktober 2026.

Besonderheitfast abgeschlossenes Meer, langsamer Wasseraustausch über Gibraltar
Wichtigste BelastungenPlastikmüll, Überfischung, Schiffsverkehr, Küstenbebauung, Erwärmung
Prägende PflanzeNeptungras (Posidonia oceanica), nur im Mittelmeer heimisch
SchutzabkommenBarcelona-Übereinkommen mit Protokollen
ReisendeMüll vermeiden, nicht auf Seegras ankern, Wildtiere nicht bedrängen

Warum ist das Mittelmeer so empfindlich?

Das Mittelmeer ist über die Straße von Gibraltar mit dem Atlantik verbunden. Weil die Verdunstung die Zuflüsse übersteigt, strömt Atlantikwasser nach, doch bis sich das Wasser des gesamten Beckens erneuert, vergehen viele Jahrzehnte. Was ins Wasser gelangt, bleibt deshalb lange erhalten. Wie das Meer entstand und wie es sich bewegt, beschreibt die Seite zur Geografie und Geologie.

Hinzu kommt die Dichte der Nutzung. Die Küsten gehören zu den am stärksten besiedelten und meistbesuchten Europas, wichtige Schifffahrtsrouten kreuzen das Becken, und Fischerei, Häfen, Landwirtschaft und Industrie belasten die Küstengewässer. Gleichzeitig zählt das Mittelmeer zu den artenreichsten Meeren der Welt und beherbergt viele Arten, die nur hier vorkommen.

Wie stark belastet Plastikmüll das Mittelmeer?

Das Mittelmeer gilt in Untersuchungen von Umweltorganisationen und Forschungseinrichtungen als eines der am stärksten durch Plastik belasteten Meere. Die Ursachen sind der Eintrag über Flüsse und Küstenorte, Müll von Stränden, Verluste durch Fischerei und Schifffahrt sowie das langsame Zerfallen größerer Teile zu Mikroplastik. Besonders viel sammelt sich in küstennahen Zonen und in Strömungsgebieten.

Folgen sind Verwicklungen und Verschlucken bei Meerestieren wie Schildkröten, Seevögeln und Fischen, die Plastikteile mit Nahrung verwechseln. Mikroplastik gelangt in die Nahrungskette, und seine Wirkung auf Menschen wird erforscht. Auf Reisen entsteht ein Teil des Mülls durch Einwegprodukte am Strand, die nach dem Sonnenuntergang liegenbleiben. Dagegen helfen Mehrwegflaschen, Stofftaschen und das Mitnehmen des eigenen Mülls.

Ist das Mittelmeer überfischt?

Viele Bestände im Mittelmeer gelten seit Jahren als überfischt, etwa einige Arten von Seehecht, Rotbarbe und Seezunge. Die Fischereikommission für das Mittelmeer, eine Organisation unter dem Dach der Vereinten Nationen für Ernährung und Landwirtschaft, und die Europäische Union arbeiten an Fangregeln, Schonzeiten, Maschenweiten und Fangverboten in empfindlichen Gebieten. Fortschritte gibt es etwa bei Beständen des Roten Thuns, die sich nach strengeren Quoten erholen konnten.

Als Urlauber beeinflussen Sie die Nachfrage. Wer Fisch isst, fragt nach Art, Herkunft und Fangmethode. Kleine Küstenfischerei mit Netzen und Angeln ist meist schonender als industrielle Schleppnetzfischerei. Gütesiegel für nachhaltige Fischerei helfen bei der Orientierung. Kulinarische Hintergründe finden Sie auf der Seite zur Mittelmeerküche.

Warum sind Seegraswiesen so wichtig?

Das Neptungras, auch Posidonia genannt, ist eine Blütenpflanze, die ausgedehnte Wiesen im flachen Wasser bildet und nur im Mittelmeer heimisch ist. Die Wiesen sind Kinderstube für Fische, speichern Kohlenstoff, produzieren Sauerstoff, klären das Wasser und dämpfen Wellen, sodass sie Küsten vor Erosion schützen. Die hellen Fasern und Bälle, die an manchen Stränden angespült liegen, stammen von dieser Pflanze und gehören zu einem gesunden Strand.

Seegras wächst sehr langsam. Wiesen, die durch Anker, Bauarbeiten, Abwasser oder zu warmes Wasser zerstört werden, erholen sich über Jahrzehnte, wenn überhaupt. Deshalb sind in vielen Gebieten Ankerverbote und Bojenfelder eingeführt worden. Wer mit dem Boot unterwegs ist, ankert auf Sand und nicht auf den dunklen Flecken im Wasser. Mehr zum Revier steht auf der Seite zum Segeln im Mittelmeer.

Wie wirken Schiffe, Häfen und Kreuzfahrten auf das Meer?

Das Mittelmeer gehört zu den meistbefahrenen Meeren der Welt. Schiffe belasten es durch Abgase, Lärm, Abwasser, Ölreste und Kollisionen mit Meerestieren. Das soll Luftschadstoffe an den Küsten verringern.

Kreuzfahrtschiffe sind ein sichtbarer Teil des Verkehrs, die Reedereien verweisen auf modernere Abgasreinigung, Landstrom und Abwassertechnik. Ob und wie stark sie dem Mittelmeer schaden, bewerten Umweltverbände und Branche unterschiedlich. Wer an Bord geht, kann auf Schiffe mit Landstrom, auf kurze Wege und auf Reisen in der Nebensaison achten. Hinweise zu Häfen und Anläufen finden Sie auf der Seite zu den Häfen am Mittelmeer.

Welche Tiere sind besonders bedroht?

Einige Meerestiere stehen besonders im Fokus der Schutzbemühungen.

  • Mittelmeer-Mönchsrobbe: eine der seltensten Robbenarten der Welt, mit kleinen Beständen in Griechenland, der Türkei und an einzelnen Orten im westlichen Mittelmeer.
  • Unechte Karettschildkröte: nistet an Stränden in Griechenland, der Türkei, auf Zypern und in anderen Ländern. Nester werden markiert und bewacht.
  • Rote Koralle und andere Korallenarten, deren Entnahme für Schmuck stark eingeschränkt ist.
  • Haie und Rochen, die durch Beifang und Fischerei gefährdet sind.
  • Delfine und Wale, die durch Lärm, Netze und Schiffskollisionen belastet werden.

Für Delfine und Wale besteht zwischen Frankreich, Italien und Monaco ein großes Schutzgebiet im Ligurischen Meer, das Pelagos-Schutzgebiet. Dort gelten besondere Regeln für Bootsfahrten und die Beobachtung von Walen. Mehr zum Meer erfahren Sie auf der Seite zum Ligurischen Meer.

Was sind invasive Arten, und woher kommen sie?

Seit der Eröffnung des Suezkanals gelangen Tiere und Pflanzen aus dem Roten Meer ins Mittelmeer. Hinzu kommen Arten, die mit Ballastwasser oder an Schiffsrümpfen reisen. Im östlichen Mittelmeer sind Dutzende fremde Arten heimisch geworden, darunter Rotfeuerfische und Silberstreifen-Kugelfische. Manche verdrängen einheimische Arten oder schädigen Fischerei und Tourismus.

Der Silberstreifen-Kugelfisch ist giftig, sein Verzehr kann gefährlich sein. Wer im Ostmittelmeer Fisch angelt oder kauft, sollte sich vor Ort erkundigen, welche Arten zum Verzehr geeignet sind. Wärmeres Wasser erleichtert die Ausbreitung von Arten aus dem Süden und erschwert das Leben der kälteliebenden Arten des Nordens, wie die Seite zur Wassertemperatur im Mittelmeer zeigt.

Alle genannten Probleme hängen zusammen. Wärmeres Wasser schwächt Seegras, schwächeres Seegras bietet weniger Lebensraum für Jungfische, und weniger Fische bedeuten mehr Druck auf die verbleibenden Bestände. Deshalb setzen Fachleute auf Maßnahmen an mehreren Stellen zugleich: sauberere Flüsse, bessere Kläranlagen, nachhaltige Fischerei und geschützte Rückzugsräume.

Wie wird das Mittelmeer geschützt?

Das zentrale Instrument ist das Barcelona-Übereinkommen, in dem die Anrainer ein gemeinsames Aktionsprogramm gegen Verschmutzung beschlossen haben. Es hat mehrere Zusatzprotokolle, etwa zu Landquellen der Verschmutzung, zu Schutzgebieten und zu Notfällen. Daneben gibt es nationale Meeresschutzgebiete, Nationalparks und Schutzzonen. Beispiele sind der Nationalpark Calanques bei Marseille, der Nationalpark Cabrera bei Mallorca, der Nationalpark Cinque Terre, der Meeresnationalpark Zakynthos und die Kornaten in Kroatien.

Wie wirksam ein Schutzgebiet ist, hängt davon ab, ob es kontrolliert wird. Gebiete mit klaren Regeln für Fischerei und Ankern, sogenannte No-Take-Zonen, zeigen nach einigen Jahren deutlich mehr und größere Fische. Zugleich schützt nur ein kleiner Teil des Mittelmeers streng. Wer ein Schutzgebiet besucht, hält sich an die Regeln, bucht möglichst anerkannte Anbieter und fährt nicht in Sperrzonen.

Was können Sie auf Reisen tun?

Mit wenigen Gewohnheiten verringern Sie Ihren Fußabdruck.

  • Vermeiden Sie Einwegplastik und nehmen Sie Ihren Müll vom Strand mit.
  • Benutzen Sie Sonnencreme sparsam und tragen Sie bei längerem Aufenthalt im Wasser ein Lycra-Shirt. UV-Kleidung schützt Haut und Wasser.
  • Ankern Sie nicht auf Seegras und nutzen Sie vorhandene Bojen.
  • Bedrängen Sie keine Wildtiere und nähern Sie sich Schildkrötennestern nicht. Verfolgen Sie Delfine und Robben nicht mit Booten.
  • Nehmen Sie keine Muscheln, Seesterne, Korallen oder Fossilien mit. Vieles davon ist geschützt.
  • Essen Sie Fisch bewusst: nach Art, Saison und Fangmethode.
  • Buchen Sie Tauchgänge und Bootsausflüge bei Anbietern mit Umweltstandards, siehe Tauchen und Schnorcheln.
  • Reisen Sie in der Nebensaison, wo die Küsten entlastet werden, und nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel statt Mietwagen, wo es möglich ist.

Viele Strände und Orte bieten Müllsammelaktionen oder Besichtigungen von Schutzgebieten an. Ein Beitrag kann schon darin bestehen, Fragen zu stellen und Angebote mit Umweltsiegeln zu bevorzugen.

Wie verschmutzt ist das Mittelmeer?

Es gilt als eines der durch Plastik am stärksten belasteten Meere. Viele Küstenabschnitte sind dennoch gut geprüft und sauber. Die Qualität der Badegewässer wird in der Europäischen Union regelmäßig kontrolliert.

Warum darf man auf Seegras nicht ankern?

Seegras wächst sehr langsam und wird vom Anker herausgerissen. Zerstörte Wiesen erholen sich oft über Jahrzehnte nicht. Deshalb gibt es vielerorts Ankerverbote und Bojenfelder.

Ist Sonnencreme schädlich für das Mittelmeer?

Einige Inhaltsstoffe stehen im Verdacht, Meerestiere zu belasten. Die Forschung ist noch nicht abgeschlossen. Sinnvoll sind sparsame Mengen, UV-Kleidung und Schatten.

Gibt es im Mittelmeer Meeresschutzgebiete?

Ja, zum Beispiel die Calanques bei Marseille, Cabrera bei Mallorca, den Meeresnationalpark Zakynthos und die Kornaten in Kroatien. Die Regeln unterscheiden sich von Gebiet zu Gebiet.

Tipp · Nehmen Sie auf jeden Strandausflug einen kleinen Beutel mit und sammeln Sie beim Verlassen drei bis fünf Müllteile mit ein. Das ist wenig Aufwand und wirkt über die Saison.

Passend dazu: Zakynthos.