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Städte am Mittelmeer

Marseille

Marseille
Marseille ist die älteste Stadt Frankreichs und die wichtigste französische Hafenstadt am Mittelmeer. Reisende kommen für den Vieux-Port, das Altstadtviertel Le Panier, das Museum MuCEM, die Basilika Notre-Dame de la Garde und die Felsbuchten des Calanques-Nationalparks. Am angenehmsten sind Mai, Juni und September.

Marseille ist rauer, bunter und lebendiger als die mondänen Orte weiter östlich. Seit griechische Seefahrer aus Phokaia hier um 600 v. Chr. die Kolonie Massalia gründeten, lebt die Stadt vom Meer und von den Menschen, die über das Meer kamen. Heute ist die zweitgrößte Stadt Frankreichs ein Schmelztiegel mit starkem Bezug zu Nordafrika, einem großen Fähr- und Kreuzfahrthafen und einer Küste, die vor der Haustür in einen Nationalpark übergeht. Spätestens seit Marseille 2013 Kulturhauptstadt Europas war, hat sich auch das Stadtbild am Wasser stark gewandelt. Dieser Guide zeigt die wichtigsten Viertel und Sehenswürdigkeiten, erklärt, wie man die Calanques besucht, und gibt Tipps für Landgang und Fährreise.

Schnellfakten Marseille
LageSüdfrankreich, Hauptstadt des Départements Bouches-du-Rhône, am Golfe du Lion
AnreiseFlug ab Deutschland ca. 1,5 bis 2 Stunden nach Marseille-Provence; TGV ab Paris in gut drei Stunden
Beste ReisezeitMai, Juni und September; Badesaison etwa Juni bis September
Hafen/FährenFähren nach Korsika, Sardinien und Nordafrika; großer Kreuzfahrthafen
Sprache/WährungFranzösisch, Euro
Zeitbedarf2 bis 3 Tage für die Stadt, plus 1 Tag für die Calanques
Einwohnerrund 880.000, zweitgrößte Stadt Frankreichs

Was erlebt man am Vieux-Port?

Der Vieux-Port ist das Herz von Marseille: ein tief ins Land reichendes Hafenbecken voller Boote, gesäumt von Cafés und bewacht von zwei Festungen. Hier beginnt fast jeder Stadtrundgang, und morgens verkaufen Fischer ihren Fang direkt am Kai.

An der Einfahrt stehen das Fort Saint-Jean und gegenüber das Fort Saint-Nicolas. Seit der Umgestaltung zum Kulturhauptstadtjahr ist der Quai des Belges weitgehend autofrei; das verspiegelte Sonnendach Ombrière von Norman Foster spiegelt die Menschen darunter. Vom Hafen führt die Canebière, einst die große Prachtstraße der Stadt, nach Osten. Die Ufer verbindet eine kleine Fähre, die quer über das Hafenbecken pendelt. Abends lohnt der Weg zum Vallon des Auffes, einem winzigen Fischerhafen unterhalb der Küstenstraße Corniche Kennedy, die mit Blick aufs Meer Richtung Süden führt.

Was macht das Viertel Le Panier aus?

Le Panier ist das älteste Viertel Marseilles und liegt auf dem Hügel nördlich des Vieux-Port, genau dort, wo die Griechen ihre erste Siedlung anlegten. Heute prägen steile Gassen, Treppen, Street-Art, kleine Ateliers und Plätze mit Cafés das Bild.

Mittelpunkt ist die Vieille Charité, ein ehemaliges Armenhospiz aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit einer barocken Kapelle im Innenhof, in dem heute Museen und Ausstellungen untergebracht sind. Unterhalb des Viertels erhebt sich am Wasser die mächtige Cathédrale de la Major im neobyzantinischen Stil mit ihren gestreiften Mauern. Das Viertel war lange ein Ankunftsort für Einwanderer, zuerst aus Italien und Korsika, später aus Nordafrika – diese Geschichte spürt man in den kleinen Läden und Restaurants. Am Hang des Panier liegt auch das Hôtel de Ville, das barocke Rathaus. Der beste Weg durch das Viertel ist zu Fuß, mit genug Zeit zum Verlaufen.

Was zeigt das MuCEM?

Das MuCEM (Musée des Civilisations de l’Europe et de la Méditerranée) ist ein Museum für die Kulturen Europas und des Mittelmeerraums. Es öffnete im Juni 2013 zum Kulturhauptstadtjahr und gilt mit seinem filigranen Betongitter als neues Wahrzeichen der Stadt.

Der würfelförmige Bau des Architekten Rudy Ricciotti steht auf der Mole J4 an der Hafeneinfahrt und ist über eine schmale Fußgängerbrücke mit dem Fort Saint-Jean verbunden. Die Ausstellungen beschäftigen sich mit Alltagskultur, Religion, Handel und Migration rund um das Mittelmeer und gehen auf die Sammlungen früherer Pariser Volkskundemuseen zurück. Die Außenbereiche, darunter die Dachterrasse und die Gärten des Forts, sind kostenlos zugänglich und bieten einen der schönsten Blicke auf Hafen und Kathedrale. Aktuelle Ausstellungen und Tickets nennt die Website des MuCEM. Gleich daneben zeigt die Villa Méditerranée mit Cosquer Méditerranée eine Nachbildung der Unterwasser-Höhle Cosquer mit ihren steinzeitlichen Malereien.

Lohnt sich der Aufstieg zu Notre-Dame de la Garde?

Ja. Die Basilika Notre-Dame de la Garde thront auf einem rund 150 Meter hohen Kalkfelsen über der Stadt und bietet den besten Rundblick über Marseille, den Hafen und die vorgelagerten Inseln. Der Zugang ist kostenlos.

Die Kirche im neobyzantinischen Stil wurde 1853 bis 1864 nach Plänen von Henri-Jacques Espérandieu an der Stelle einer mittelalterlichen Wallfahrtskapelle errichtet. Auf dem Glockenturm steht eine vergoldete Marienstatue, die die Einheimischen „la Bonne Mère“ nennen und die als Schutzpatronin der Seeleute gilt. Im Inneren hängen zahlreiche Votivbilder, mit denen Seefahrer und Familien für Rettung aus Seenot gedankt haben. Hinauf kommt man zu Fuß in etwa einer halben Stunde vom Vieux-Port, mit dem Stadtbus oder mit dem Touristenzug. Wegen des Mistrals kann es oben sehr windig sein.

Tipp · Am schönsten ist der Blick von Notre-Dame de la Garde kurz vor Sonnenuntergang, wenn die Inseln vor der Küste und das Château d’If im Gegenlicht liegen.

Wie besucht man die Calanques?

Die Calanques sind fjordartige Felsbuchten aus weißem Kalkstein zwischen Marseille und Cassis. Seit 2012 schützt sie der Nationalpark Calanques, der erste Nationalpark Europas, der zugleich Land- und Meeresgebiet umfasst und direkt an eine Großstadt grenzt. Man erreicht die Buchten zu Fuß, per Ausflugsboot oder Kajak.

Bekannte Buchten sind Sormiou und Morgiou, zu denen kleine Straßen führen, sowie Sugiton und En-Vau, die nur zu Fuß oder vom Wasser aus erreichbar sind. Ausflugsboote fahren vom Vieux-Port und von Cassis entlang der Küste. Wichtig für die Planung: Von Juni bis September ist der Zugang zu den Massiven wegen Waldbrandgefahr reguliert und kann an Tagen mit hohem Risiko ganz gesperrt werden. Die tagesaktuelle Lage veröffentlicht die Präfektur, auch über die App „Mes Calanques“. Für die Calanques Sugiton und Pierres-Tombées ist im Sommer zudem eine kostenlose Online-Reservierung vorgeschrieben. Feste Schuhe, ausreichend Wasser und Sonnenschutz sind Pflicht, denn Schatten ist rar. Wer mehr von der französischen Küste sehen möchte, findet östlich von Marseille die Côte d’Azur mit Nizza und Cannes.

Wie kommt man zum Château d’If?

Das Château d’If liegt auf einer kleinen Felseninsel vor dem Hafen und ist mit dem Boot vom Vieux-Port in etwa 20 Minuten erreichbar. Die Festung wurde im 16. Jahrhundert unter König Franz I. gebaut und später als Gefängnis genutzt.

Weltberühmt wurde die Insel durch Alexandre Dumas: In seinem Roman „Der Graf von Monte Christo“ sitzt der Held Edmond Dantès hier unschuldig ein. Bei der Besichtigung sieht man Zellen, Innenhof und die Terrasse mit Blick zurück auf die Stadt. Die Boote fahren meist weiter zu den Frioul-Inseln Ratonneau und Pomègues, die mit kargen Felsen, kleinen Badebuchten und einem Hafen zu einem halben Tag einladen. Bei starkem Mistral fallen die Überfahrten gelegentlich aus.

Wie funktionieren Kreuzfahrt und Fähren in Marseille?

Marseille ist der wichtigste französische Mittelmeerhafen. Kreuzfahrtschiffe legen an Terminals nördlich der Altstadt an, Fähren verbinden die Stadt täglich mit Korsika und regelmäßig mit Sardinien, Tunesien, Algerien und Marokko.

Die Kreuzfahrtterminals liegen im Hafengebiet nördlich der Cathédrale de la Major; Reedereien bieten meist Shuttlebusse in die Innenstadt an. Bei einem Landgang lassen sich Vieux-Port, Le Panier und das MuCEM gut zu Fuß verbinden, Notre-Dame de la Garde erreicht man mit Bus oder Taxi. Marseille ist ein beliebter Hafen auf Routen im westlichen Mittelmeer, die häufig mit Barcelona, Genua und Civitavecchia kombiniert werden; viele Reedereien bieten hier auch Ein- und Ausschiffung an. Wer weiter nach Korsika reist, nimmt die Fähre nach Ajaccio oder Bastia, auch mit eigenem Auto und oft als Nachtfahrt. Die Routen im Überblick zeigt unsere Seite zu den Fähren im Mittelmeer.

Was isst man in Marseille?

Das bekannteste Gericht ist die Bouillabaisse, eine Fischsuppe, die ursprünglich Fischer aus unverkäuflichem Fang kochten. Heute serviert man sie traditionell in zwei Gängen: erst die Suppe mit Croûtons und Rouille, dann den Fisch.

Eine echte Bouillabaisse ist aufwendig und hat ihren Preis; sehr günstige Angebote am Hafen sind meist eine Vereinfachung. Daneben gibt es Panisse (frittierte Kichererbsenschnitten), Pieds paquets, Navettes (Gebäck mit Orangenblütenaroma) und Pastis als Aperitif. Die nordafrikanische Küche ist in Vierteln wie Noailles allgegenwärtig, wo der Marché des Capucins Gewürze, Obst und Gemüse anbietet. Rosé aus der Provence und Weißwein aus Cassis passen zu Fisch.

Wann ist die beste Reisezeit für Marseille?

Am angenehmsten sind Mai, Juni und September: warm, sonnig und gut zum Wandern in den Calanques. Im Juli und August ist es heiß, die Calanques sind wegen Brandgefahr teils gesperrt, und die Stadtstrände wie der Prado sind voll.

Marseille hat viele Sonnentage und milde Winter, ist dann aber oft vom kalten, kräftigen Mistral geprägt, der das Wasser aufwühlt und die Luft klärt. Frühjahr und Herbst eignen sich besonders für Kultur und Wanderungen. Zum Baden ist das Meer von Juni bis September angenehm; die künstlich angelegten Plages du Prado im Süden sind die größten Stadtstrände. Programm, Führungen und den City Pass bietet das offizielle Tourismusbüro von Marseille an.

Ausflüge in die Umgebung

Lohnende Ziele sind Cassis mit seinem Hafen und den Weinbergen, Aix-en-Provence, die Römerstadt Arles und die Camargue. Alle sind mit Zug, Bus oder Auto in einer Stunde oder wenig mehr erreichbar.

  • Cassis: kleiner Hafenort am Ostrand der Calanques, über die Küstenstraße Route des Crêtes mit Blick auf das Cap Canaille.
  • Aix-en-Provence: elegante Altstadt mit Brunnen, Märkten und dem Cours Mirabeau, verbunden mit dem Maler Paul Cézanne.
  • Arles und Avignon: römisches Amphitheater und antikes Theater in Arles, Papstpalast und Pont Saint-Bénézet in Avignon.
  • Camargue: Flussdelta der Rhône mit Flamingos, Salzwiesen und weißen Pferden.
Ist Marseille sicher für Touristen?

Die touristischen Viertel um Vieux-Port, Le Panier und die Corniche sind tagsüber belebt und gut zu besuchen. Wie in jeder Großstadt sollte man auf Taschendiebe achten und nachts menschenleere Gegenden meiden.

Wie viele Tage braucht man für Marseille?

Zwei Tage reichen für Hafen, Panier, MuCEM und Notre-Dame de la Garde. Mit einer Wanderung oder Bootstour in die Calanques und einem Abstecher nach Cassis plant man drei bis vier Tage ein.

Kann man in Marseille baden?

Ja. Die Plages du Prado, der kleine Stadtstrand Plage des Catalans und die Badestellen an der Corniche liegen in der Stadt. Klareres Wasser findet man in den Calanques und auf den Frioul-Inseln.

Sind die Calanques im Sommer geöffnet?

Grundsätzlich ja, doch von Juni bis September kann der Zugang zu den Massiven wegen Brandgefahr tageweise eingeschränkt oder gesperrt sein. Vom Wasser aus mit dem Boot sind die Buchten auch dann zu sehen.

Tipp · Marseille ist ein idealer Ausgangspunkt für Provence, Korsika und Schiffsreisen. Vergleichen Sie Hotels über die Suchbox oben oder kombinieren Sie die Stadt mit einer Mittelmeer-Kreuzfahrt.