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Städte am Mittelmeer

Tunis

Tunis
Tunis ist die Hauptstadt Tunesiens und liegt im Norden des Landes am Golf von Tunis. Reisende kommen wegen der UNESCO-geschützten Medina, der Mosaiken im Bardo-Museum, der Ruinen von Karthago und des weiß-blauen Künstlerdorfs Sidi Bou Saïd. Am angenehmsten sind Frühling und Herbst; Kreuzfahrtschiffe und Fähren legen in La Goulette an.

Tunis ist eine Stadt der Gegensätze: Hinter dem breiten Boulevard der französischen Kolonialzeit beginnt eine der am besten erhaltenen Altstädte der arabischen Welt, und wenige Kilometer weiter liegen die Reste von Karthago, einst Rivalin Roms. Für viele Urlauber ist die Hauptstadt nur ein Tagesausflug aus Hammamet oder ein Kreuzfahrt-Landgang, dabei lohnt sie zwei bis drei eigene Tage. Wer die Badeorte des Landes kennt, erlebt hier das städtische, historische Tunesien. Einen Überblick über Regionen, Strände und Reisezeiten bietet unsere Seite zu Tunesien am Mittelmeer.

Schnellfakten Tunis
LageNordtunesien, am Golf von Tunis; vom Meer durch die flache Lagune See von Tunis getrennt
Einwohnerrund 1 Million in der Stadt, gut 2 Millionen im Großraum
AnreiseFlughafen Tunis-Karthago nahe dem Zentrum, Flugzeit ab Deutschland ca. 2,5 Stunden
HafenLa Goulette: Kreuzfahrtterminal und Fähren nach Italien und Frankreich
Sprache und WährungArabisch, Französisch weit verbreitet; Tunesischer Dinar (TND)
UNESCO-WelterbeMedina von Tunis und Archäologische Stätte Karthago (beide seit 1979)
Beste ReisezeitMärz bis Juni, September bis November

Was sieht man in der Medina von Tunis?

Die Medina ist der historische Kern von Tunis und seit 1979 UNESCO-Welterbe. In ihrem Gassengewirr stehen rund 700 historische Bauten – Moscheen, Medresen, Paläste, Mausoleen und Brunnen –, dazwischen die überdachten Marktgassen, die Souks.

Ihre große Zeit erlebte die Stadt im Mittelalter: Die Almohaden machten Tunis im 12. Jahrhundert zur Hauptstadt, unter der Dynastie der Hafsiden wurde es ab dem 13. Jahrhundert eines der wichtigsten Zentren der islamischen Welt. Im Mittelpunkt steht die Ez-Zitouna-Moschee, die „Ölbaummoschee“. Ihr Kern stammt aus dem 9. Jahrhundert, sie wurde mehrfach umgebaut und ist nach der Großen Moschee von Kairouan die bedeutendste des Landes. Über Jahrhunderte war sie zugleich eine der wichtigsten islamischen Lehrstätten Nordafrikas. Der Gebetsraum ist Nichtmuslimen in der Regel nicht zugänglich, Teile des Innenhofs lassen sich je nach Zeit besichtigen.

Rund um die Moschee sind die Souks nach Gewerben geordnet: Parfümhändler, Stoff- und Teppichverkäufer, Schuhmacher, Goldschmiede und die Hersteller der roten Filzmütze Chechia haben jeweils eigene Gassen. Sehenswert sind außerdem die Hammouda-Pacha- und die Youssef-Dey-Moschee mit ihren achteckigen Minaretten im osmanischen Stil, der Mausoleumskomplex Tourbet el Bey mit den Grabstätten der Herrscherfamilie sowie das Heimatmuseum Dar Ben Abdallah in einem alten Stadtpalast. Mehr über die Epochen, die den Mittelmeerraum geprägt haben, steht auf unserer Seite zu Geschichte am Mittelmeer.

Tipp · Einige Teppich- und Kunsthandwerksläden in der Medina öffnen ihre Dachterrassen für Besucher – der Blick über die Minarette ist großartig. Wer hinaufsteigt, wird allerdings meist zum Kauf eingeladen; ein freundliches Nein ist völlig in Ordnung.

Was bietet die Neustadt von Tunis?

Die Neustadt, im 19. und frühen 20. Jahrhundert unter französischem Einfluss zwischen Medina und Lagune angelegt, zeigt das europäisch geprägte Gesicht von Tunis. Ihre Hauptachse ist die über anderthalb Kilometer lange Avenue Habib Bourguiba, benannt nach dem ersten Präsidenten des unabhängigen Tunesiens.

Unter Bäumen reihen sich Cafés, Hotels, Kinos und Geschäfte, dazu Bauten im Kolonial- und Art-déco-Stil wie das Stadttheater und die Kathedrale St. Vincent de Paul. Am westlichen Ende markiert das Stadttor Bab el Bhar, auch Porte de France genannt, den Übergang zur Medina. Tunesien stand von 1881 bis zur Unabhängigkeit 1956 unter französischem Protektorat, und diese Jahrzehnte sind im Stadtbild bis heute sichtbar. Im Norden liegt der weitläufige Belvédère-Park mit Zoo, eine der größten Grünanlagen der Stadt. Abends ist die Avenue der beliebteste Treffpunkt zum Flanieren.

Lohnt sich ein Besuch im Bardo-Museum?

Unbedingt. Das Nationalmuseum von Bardo besitzt eine der größten Sammlungen römischer Mosaiken der Welt und ist das wichtigste Museum Tunesiens. Es liegt im westlichen Stadtteil Le Bardo in einem ehemaligen Palast der Beys.

Gegründet wurde es 1888, damals noch unter dem Namen Musée Alaoui. Neben punischen, römischen, frühchristlichen und islamischen Funden sind es vor allem die großformatigen Bodenmosaiken, die beeindrucken: Szenen aus Mythologie, Jagd, Landwirtschaft und Alltag im römischen Nordafrika. Eines der bekanntesten Stücke zeigt den Dichter Vergil zwischen zwei Musen. Das Museum teilt sich den Gebäudekomplex mit dem Parlament. Nach der Aussetzung des Parlaments im Sommer 2021 war es geschlossen und öffnete nach Umbauarbeiten im September 2023 wieder. Öffnungszeiten können sich kurzfristig ändern, daher lohnt eine Nachfrage im Hotel. Für die Sammlung sollte man mindestens zwei bis drei Stunden einplanen.

Was ist von Karthago heute noch erhalten?

Von der antiken Großstadt sind verstreute Ruinenfelder erhalten, die heute zwischen den Villen eines eleganten Vororts nordöstlich von Tunis liegen. Die Archäologische Stätte Karthago gehört seit 1979 zum UNESCO-Welterbe.

Karthago wurde der Überlieferung nach von Phöniziern aus Tyros gegründet, die Legende nennt die Königin Dido (Elissa) als Gründerin. Die Stadt stieg zur führenden Seemacht im westlichen Mittelmeer auf und lieferte sich mit Rom die drei Punischen Kriege. 146 v. Chr. zerstörten die Römer die Stadt nach fast dreijähriger Belagerung. Unter Julius Caesar und Augustus entstand sie als römische Stadt neu und wurde zu einer der größten Metropolen des Reiches.

Die wichtigsten Stationen sind:

  • Byrsa-Hügel – das Zentrum der antiken Stadt, mit Resten punischer Wohnviertel, dem Nationalmuseum von Karthago und weitem Blick über den Golf.
  • Antoninus-Thermen – eine der größten römischen Badeanlagen des Reiches, direkt am Meer.
  • Punische Häfen – die Reste des runden Kriegshafens und des rechteckigen Handelshafens, heute zwei Lagunen.
  • Tophet – ein punischer Kultbezirk mit Grabstelen.
  • Amphitheater, Theater und römische Villen – verstreut im Vorort, teils mit Mosaiken.

Die Stätten liegen auseinander; mit der Vorortbahn TGM, Taxi oder geführter Tour lassen sie sich verbinden. Ein Sammelticket deckt meist mehrere Stätten ab. Weitere antike Stätten rund ums Mittelmeer stellt unsere Seite zu Antike und UNESCO-Welterbe vor.

Warum lohnt sich ein Ausflug nach Sidi Bou Saïd?

Sidi Bou Saïd ist das wohl fotogenste Dorf Tunesiens: weiß gekalkte Häuser mit blauen Türen und Fenstergittern, auf einem Felsen hoch über dem Golf von Tunis, rund 20 Kilometer nordöstlich der Innenstadt.

Der Ort steht seit 1915 unter Denkmalschutz, auf Betreiben des Barons Rodolphe d’Erlanger, der hier einen Palast im arabisch-andalusischen Stil errichten ließ. Dieses Anwesen, Ennejma Ezzahra, beherbergt heute ein Zentrum für arabische und mediterrane Musik mit Instrumentensammlung und Garten. 1914 waren die Maler Paul Klee und August Macke hier zu Gast, und bis heute zieht das Dorf Künstler an. Bekannt ist das traditionsreiche Café des Nattes mit seinen Teppichen und Minztee. Unterhalb des Dorfes liegt ein kleiner Jachthafen, nördlich schließen sich die Badeorte La Marsa und Gammarth an.

Tipp · Sidi Bou Saïd ist am späten Nachmittag am schönsten, wenn die Tagesgruppen abgereist sind und das Licht über dem Golf weich wird. Mit der TGM lässt sich der Besuch gut mit Karthago kombinieren, das an derselben Strecke liegt.

Wie kommt man per Fähre oder Kreuzfahrtschiff nach Tunis?

Schiffe legen in La Goulette an, dem Hafen von Tunis am schmalen Landstreifen zwischen Lagune und Golf. Ein Damm über den See von Tunis verbindet ihn mit dem Zentrum; die Fahrt mit Taxi oder TGM dauert nur kurz.

Von La Goulette verkehren Fähren nach Italien und Frankreich, typischerweise nach Genua, Civitavecchia, Palermo und Marseille. Für Reisende mit eigenem Fahrzeug ist das die übliche Anreise; ein Überblick über die Routen steht auf unserer Seite zu Fähren im Mittelmeer. Gleichzeitig ist La Goulette ein Anlaufhafen für Kreuzfahrten im westlichen Mittelmeer. Bei einem Landgang lassen sich Karthago und Sidi Bou Saïd, beide ganz in der Nähe, gut mit einem Abstecher in die Medina verbinden – für alle drei braucht man allerdings einen vollen Tag. Weitere Häfen im Vergleich zeigt die Seite Häfen am Mittelmeer. La Goulette selbst ist bekannt für Fischrestaurants und war lange Wohnort einer großen italienischen und jüdischen Gemeinde.

Wie sicher ist eine Reise nach Tunis?

Tunis wird jedes Jahr von vielen Urlaubern besucht, dennoch sollte man sich vor der Reise informieren. Maßgeblich sind die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts, die regelmäßig aktualisiert werden.

Das Auswärtige Amt weist allgemein auf ein erhöhtes Terrorrisiko auch an touristischen Orten hin und rät von Reisen in bestimmte Grenz- und Wüstenregionen ab; die Hauptstadt gehört nicht dazu. In Tunis kommt es gelegentlich zu Demonstrationen im Zentrum, die man meiden sollte. Wie in jeder Großstadt sind Taschendiebe in Medina, Souks und öffentlichen Verkehrsmitteln aktiv. Grundsätzlich bewährt sich: Menschenansammlungen meiden, Wertsachen und Dokumente sicher verwahren, bei Ausflügen in entlegene Gebiete organisierte Touren wählen. Auch die Einreisebestimmungen – etwa welche Ausweisdokumente akzeptiert werden – sollten vor der Reise beim Auswärtigen Amt nachgelesen werden.

Was sollte man praktisch über Tunis wissen?

Die wichtigsten Wege legt man zu Fuß, mit dem Taxi oder mit der Vorortbahn TGM zurück, die vom Bahnhof Tunis Marine über La Goulette, Karthago und Sidi Bou Saïd bis La Marsa fährt. Taxis sind günstig; man sollte auf ein eingeschaltetes Taxameter achten.

  • Sprache: Amtssprache ist Arabisch, im Alltag wird tunesisches Arabisch gesprochen. Französisch ist in Hotels, Geschäften und Behörden weit verbreitet.
  • Geld: Der Tunesische Dinar ist eine Binnenwährung. Man tauscht vor Ort oder hebt am Automaten ab und bewahrt die Wechselbelege für den Rücktausch bei der Ausreise auf.
  • Kleidung: In der Medina und in religiösen Stätten sind bedeckte Schultern und Knie angemessen.
  • Handeln: In den Souks ist Feilschen üblich, in Geschäften mit Festpreisen nicht.
  • Essen: Typisch sind Couscous, Brik (frittierte Teigtaschen mit Ei), die scharfe Würzpaste Harissa und frischer Fisch in La Goulette. Ein Überblick steht auf unserer Seite zu typischen Gerichten am Mittelmeer.

Für Ausflüge ins Umland bieten sich die römische Ruinenstadt Dougga (ebenfalls UNESCO-Welterbe), das heilige Kairouan oder die Strände von Hammamet an. Das offizielle Tourismusportal Discover Tunisia gibt einen Überblick über die Welterbestätten des Landes.

Wann ist die beste Reisezeit für Tunis?

Am angenehmsten ist Tunis im Frühling von März bis Juni und im Herbst von September bis November. Dann sind Besichtigungen in der Medina und auf den schattenlosen Ruinenfeldern von Karthago gut möglich, und das Meer ist im Herbst noch warm.

Im Juli und August wird es heiß, oft über 30 Grad, und die Mittagsstunden verbringt man besser im Schatten. Der Winter ist mild, aber regenreicher und eignet sich gut für Museen und eine ruhige Medina. Wer baden möchte, plant Juni bis Oktober ein und wohnt am besten in La Marsa, Gammarth oder Sidi Bou Saïd statt im Zentrum. Bei der Planung lohnt es außerdem, den Fastenmonat Ramadan zu berücksichtigen: Tagsüber haben dann manche Restaurants geschlossen, abends ist die Stadt dafür besonders lebendig. Eine allgemeine Einordnung bietet unser Ratgeber zur besten Reisezeit fürs Mittelmeer.

Wie viele Tage braucht man für Tunis?

Zwei bis drei Tage reichen für Medina, Neustadt, Bardo-Museum, Karthago und Sidi Bou Saïd. Wer Dougga oder Kairouan dazunehmen möchte, plant einen weiteren Tag pro Ausflug ein.

Kann man in Tunis baden?

Im Zentrum nicht, aber die Vororte La Marsa und Gammarth haben Sandstrände und sind mit der TGM oder dem Taxi schnell erreichbar. Größere Badeorte wie Hammamet liegen rund eine Autostunde entfernt.

Lohnt sich Tunis als Tagesausflug aus Hammamet?

Als Einstieg ja, doch ein Tag reicht nur für eine Auswahl, meist Medina und Sidi Bou Saïd oder Karthago. Wer das Bardo-Museum in Ruhe sehen möchte, übernachtet besser in der Stadt.

Welche Sprache spricht man in Tunis?

Im Alltag tunesisches Arabisch, daneben ist Französisch weit verbreitet. In Hotels und touristischen Betrieben kommt man oft auch mit Englisch, teils sogar mit Deutsch weiter.

Ist Karthago an einem Tag zu schaffen?

Die Hauptstätten lassen sich in einem halben bis ganzen Tag besuchen. Weil sie verstreut liegen, spart eine Tour oder ein Taxi für mehrere Stunden viel Zeit.

Tipp · Tunis lässt sich gut mit einigen Badetagen an der Küste verbinden: erst Medina und Karthago, dann Strand in Hammamet. Passende Flug- und Hotelangebote finden sich über die Suchbox oben, Routen mit Hafen La Goulette auf der Seite zur Kreuzfahrt im westlichen Mittelmeer.